Alttextilien-Wiederverwendung Statistik Tabelle: Anteil genähter Kleidung aus Secondhand-Stoffen oder alten Kleidungsstücken 2026

Alte Kleidung muss nicht automatisch im Altkleidercontainer oder im Restmüll landen. Immer mehr Menschen interessieren sich für Reparatur, Upcycling, Secondhand und kreative Wiederverwendung. Beim Nähen können aus ausgedienten Hemden, Jeans, Bettwäsche, Vorhängen oder anderen Kleidungsstücken neue Taschen, Röcke, Kissen, Kinderkleidung oder Accessoires entstehen.

Doch wie groß ist der Anteil der in Deutschland selbst genähten Kleidung, die tatsächlich aus Secondhand-Stoffen oder alten Kleidungsstücken hergestellt wird?

Eine wichtige Einschränkung gilt auch 2026: Eine amtliche Statistik mit dem konkreten Anteil „selbst genähter Kleidung aus Alttextilien“ existiert für Deutschland nicht. Die verfügbaren Statistiken erfassen Alttextilien, Wiederverwendung, Secondhand und Recycling, aber nicht detailliert, wie viele selbstgenähte Kleidungsstücke aus bereits getragenen Textilien entstehen.

Alttextilien und Wiederverwendung 2026 im Überblick

Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Deutschland jährlich rund 1,1 Millionen Tonnen aussortierte Kleidung anfallen. Gleichzeitig werden weniger als ein Prozent der Alttextilien stofflich zu neuen Textilien recycelt. Wiederverwendung und Reparatur werden im Rahmen der Kreislaufwirtschaft ausdrücklich als wichtige Maßnahmen zur Abfallvermeidung betrachtet. (Umweltbundesamt)

Kennzahl Wert bzw. Einordnung Datenjahr
Aussortierte Kleidung in Deutschland rund 1,1 Mio. Tonnen/Jahr aktuelle UBA-Angabe
Gesammelte Alttextilien rund 1 Mio. Tonnen 2018
Anteil der sortierten Sammelware für Secondhand ca. 62 % 2018
Anteil für stoffliche Verwertung ca. 26 % 2018
Energetische Verwertung ca. 8 % 2018
Beseitigung/Fremdstoffe ca. 4 % 2018
Anteil Alttextilien für neues Faserrecycling weniger als 1 % aktuelle UBA-Einordnung
Anteil selbstgenähter Kleidung aus alten Textilien keine amtliche Statistik 2026

Die historischen Verwertungsquoten dürfen nicht als aktuelle 2026-Quoten interpretiert werden. Sie zeigen vielmehr, wie sich der Alttextilstrom zusammensetzt und warum Wiederverwendung und Upcycling voneinander unterschieden werden müssen. (Umweltbundesamt)

Wie viele Menschen nähen Kleidung aus alten Textilien?

Hier liegt die größte statistische Lücke. Weder das Statistische Bundesamt noch das Umweltbundesamt veröffentlichen eine jährliche deutsche Statistik, die beispielsweise zwischen folgenden Gruppen unterscheidet:

  • selbstgenähte Kleidung aus neu gekauften Stoffen
  • Kleidung aus Secondhand-Stoffen
  • Upcycling aus alter Kleidung
  • Patchwork aus Stoffresten
  • Reparatur und Änderung vorhandener Kleidung
  • professionell hergestellte Kleidung aus Recyclingfasern

Deshalb wäre es unseriös, für 2026 einen exakten Prozentwert zu nennen.

Für eine Marktbetrachtung kann jedoch zwischen Wiederverwendung als Secondhand-Kleidung und Upcycling als Ausgangsmaterial für ein neues Produkt unterschieden werden.

Secondhand ist nicht dasselbe wie Upcycling

Secondhand bedeutet zunächst, dass ein Kleidungsstück von einer anderen Person weitergetragen wird. Das ist eine Form der direkten Wiederverwendung.

Beim Upcycling wird dagegen ein vorhandenes Textil verändert und zu einem neuen Produkt verarbeitet. Ein altes Herrenhemd kann beispielsweise zum Rock, eine Jeans zur Tasche oder eine ausgediente Tischdecke zu einem Kleid werden.

Die beiden Bereiche werden in vielen Statistiken nicht getrennt ausgewiesen.

Das Umweltbundesamt berichtet beispielsweise, dass 2018 etwa 62 Prozent der gesammelten und sortierten Kleidung in den Secondhandmarkt flossen. Weitere 26 Prozent wurden stofflich verwertet, beispielsweise zu Putzlappen oder anderen Materialien. (Umweltbundesamt)

Das bedeutet allerdings nicht, dass 62 Prozent der Textilien zu neuen Kleidungsstücken vernäht wurden. Es handelt sich um die Weiterverwendung als Secondhandware.

Alte Kleidung als Nähmaterial

Für Hobby-Näherinnen und Hobby-Näher können ausgediente Textilien eine interessante Rohstoffquelle darstellen. Besonders geeignet sind Kleidungsstücke und Haushaltsstoffe, die noch eine gute Materialqualität besitzen.

Typische Beispiele sind:

Ausgangsmaterial Typische Upcycling-Projekte
Alte Jeans Taschen, Röcke, Utensilos, Kissen
Herrenhemden Röcke, Kinderkleidung, Taschen
T-Shirts Taschen, Tops, Patchwork
Bettwäsche Kleider, Röcke, Patchwork, Vorhänge
Tischdecken Taschen, Schürzen, Bekleidung
Pullover Mützen, Kissen, Taschen
Vorhänge Taschen, Röcke, Heimtextilien
Stoffreste Patchwork, Quilts, Accessoires

Gerade Jeans und Baumwollstoffe sind wegen ihrer Strapazierfähigkeit für Upcycling-Projekte beliebt.

Upcycling als Teil der Kreislaufwirtschaft

Das Wiederverwenden vorhandener Textilien verlängert zunächst die Nutzungsdauer eines bereits produzierten Materials. Damit unterscheidet sich Upcycling vom klassischen Recycling, bei dem Materialien zunächst aufbereitet und häufig wieder in einen Rohstoffzustand überführt werden.

Das Umweltbundesamt beschreibt Wiederverwendung als wichtigen Bestandteil der Abfallvermeidung und der Kreislaufwirtschaft. Die EU-Vorgaben sehen zudem eine systematische Erfassung der Wiederverwendung vor. Für Deutschland werden entsprechende quantitative und qualitative Daten erhoben. (Umweltbundesamt)

Für das Nähen bedeutet das: Ein altes Kleidungsstück, das direkt zu einem neuen Produkt verarbeitet wird, bleibt länger im Nutzungskreislauf, ohne dass dafür zunächst ein industrieller Recyclingprozess erforderlich ist.

Alttextilien in Deutschland: Das Problem wächst

Die Wiederverwendung gewinnt auch deshalb an Bedeutung, weil große Mengen an Textilien aus dem Nutzungskreislauf ausscheiden.

Nach Angaben von Destatis fielen in Deutschland 2022 rund 148.900 Tonnen Textilabfälle aus privaten Haushalten an. Außerdem wurden 2023 rund 452.000 Tonnen Altkleider und andere gebrauchte Textilwaren aus Deutschland exportiert. Diese Exportzahl umfasst allerdings nicht nur klassische Haushaltsabfälle, sondern auch ausgesonderte Handelsware und Zwischenhandel. (Destatis)

Die Zahlen verdeutlichen, dass der Textilstrom wesentlich größer ist als der kleine Bereich des privaten Nähens.

Wie groß könnte der Anteil von Upcycling-Nähprojekten sein?

Eine konkrete Hochrechnung auf alle genähten Kleidungsstücke in Deutschland ist nicht möglich. Dafür fehlen beispielsweise belastbare Angaben zu:

  1. der Anzahl regelmäßig nähender Personen,
  2. der Zahl selbstgenähter Kleidungsstücke,
  3. dem verwendeten Meterstoff,
  4. dem Anteil gebrauchter Ausgangstextilien,
  5. dem Anteil von Stoffresten,
  6. Reparatur- und Änderungsarbeiten.

Daher sollte eine mögliche Statistik für 2026 eher als Datenlücke dargestellt werden:

Bereich Datenlage 2026 Aussage
Alttextilien insgesamt gut bis mittel umfangreiche Umwelt- und Abfalldaten vorhanden
Secondhand-Bekleidung mittel verschiedene Markt- und Verbraucherdaten verfügbar
Textilrecycling mittel Verwertungsdaten vorhanden
Reparatur von Kleidung begrenzt keine vollständige nationale Nähstatistik
Upcycling begrenzt verschiedene Einzelstudien und Umfragen
Nähen aus alten Kleidungsstücken sehr begrenzt kein amtlicher Gesamtwert
Anteil selbstgenähter Kleidung aus Alttextilien nicht verfügbar keine repräsentative 2026-Statistik

Warum alte Kleidung beim Upcycling interessant ist

Beim Upcycling entfällt ein Teil der Arbeitsschritte, die bei der Herstellung eines neuen Stoffes erforderlich wären. Das Ausgangsmaterial existiert bereits.

Allerdings ist nicht jedes alte Kleidungsstück automatisch für ein neues Kleidungsstück geeignet. Materialzusammensetzung, Zustand, Größe und Schnitt spielen eine wichtige Rolle.

Ein großes T-Shirt kann beispielsweise problemlos zu einem kleineren Kleidungsstück verarbeitet werden. Aus einer einzelnen alten Jeans lässt sich dagegen möglicherweise eher eine Tasche oder ein Accessoire herstellen.

Reparieren statt Wegwerfen

Neben dem vollständigen Upcycling spielt die Reparatur eine wichtige Rolle. Ein Kleidungsstück muss nicht grundsätzlich neu genäht werden. Häufig verlängert bereits das Ausbessern eines Risses, das Ersetzen eines Reißverschlusses oder das Kürzen eines Kleidungsstücks dessen Nutzungsdauer.

Auch die amtliche Konsumerhebung berücksichtigt Reparatur und Änderung von Bekleidung als eigene Ausgabenkategorie. Das zeigt, dass Reparatur wirtschaftlich als eigenständige Aktivität erfasst wird. (Destatis)

Neue Textilien aus alten Textilien

Vom privaten Upcycling muss das industrielle Textilrecycling unterschieden werden. Beim Recycling werden Alttextilien beispielsweise mechanisch zerfasert. Die gewonnenen Fasern können anschließend für neue Garne oder Vliese verwendet werden.

Das Umweltbundesamt weist allerdings darauf hin, dass der Anteil der Alttextilien, die tatsächlich zu neuen Textilfasern recycelt werden, sehr niedrig ist. In der aktuellen Einordnung liegt dieser Anteil bei weniger als einem Prozent der Alttextilien. (Umweltbundesamt)

Das macht deutlich, warum direkte Wiederverwendung, Secondhand und Upcycling statistisch wichtige, aber unterschiedliche Kategorien sind.

Entwicklung 2026: Upcycling bleibt schwer messbar

Für 2026 lässt sich ein wachsendes Interesse an Kreislaufwirtschaft und Wiederverwendung feststellen, eine exakte Quote für selbstgenähte Upcycling-Kleidung lässt sich daraus aber nicht ableiten.

Das Umweltbundesamt arbeitet inzwischen mit einer systematischeren Erfassung von Wiederverwendungsaktivitäten. Für das Berichtsjahr 2024 wurde eine umfassende qualitative und quantitative Datenerhebung durchgeführt. Gleichzeitig weist das UBA darauf hin, dass bislang nur eine begrenzte Datenbasis für Zeitvergleiche vorliegt. (Umweltbundesamt)

Fazit: Wie viel Kleidung wird aus alten Textilien genäht?

Eine amtliche Statistik zum Anteil selbstgenähter Kleidung aus Secondhand-Stoffen oder alten Kleidungsstücken gibt es in Deutschland 2026 nicht. Verfügbare Daten zeigen jedoch die große Bedeutung von Wiederverwendung und die beträchtlichen Mengen an Alttextilien.

Historische Daten des Umweltbundesamtes zeigen, dass ein erheblicher Teil der gesammelten und sortierten Kleidung direkt als Secondhandware weiterverwendet wurde. Upcycling durch private Näherinnen und Näher ist darin jedoch nicht separat ausgewiesen. (Umweltbundesamt)

Für eine zukünftige „Upcycling-Statistik Deutschland 2026“ wären daher repräsentative Befragungen besonders interessant. Erfasst werden müssten unter anderem die Zahl der Nähenden, die Menge selbstgenähter Kleidung und der Anteil der Projekte, bei denen gebrauchte Kleidungsstücke oder Secondhand-Stoffe als Ausgangsmaterial dienen.

Quellen und weiterführende Informationen